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Wie Sie mit Geschichten eine lernende Organisation erschaffen

6 Minuten

Schon als Kind haben Sie aus Geschichten gelernt. Fördern Sie eine Kultur des Geschichtenerzählens in Ihrer Organisation. Kompetenzen und Fähigkeiten für die Zukunft werden gefördert. Gleichzeitig stärken Sie die Identifikation mit der lernenden Organisation.

Vielleicht steht Ihre Organisation wie viele andere auch mitten im Wandel. Vielleicht fragen Sie sich, wie Sie Ihre Mitarbeiter “mitnehmen”. Vielleicht fragen Sie sich, wie sie Ihre Mitarbeiter befähigen, den Wandel zu gestalten. Oder Sie fragen sich, wie sie es schaffen, daß Mitarbeiter die neue Verantwortung für den Wandel annehmen.

Oft ist es es eine schwierige Situation. Der Wandel verlangt nach neuen Kompetenzen, neuen Herangehensweisen, die früher nicht im Vordergrund standen. Die Organisation hat gut funktioniert. Sie hat sich entsprechend dem Bedarf aufgestellt und optimiert. Nun müssen diese Muster durchbrochen werden. Schlagworte wie New Work, Agilität, Innovation oder künstliche Intelligenz überfordern die meisten, da sie zu diesen abstrakten Begriffen selbst keinen Bezug herstellen können.

Führungskräfte und Personalentwickler haben daher angefangen, sich über neue Lernmethoden Gedanken zu machen [1]. Sie sind teilweise in einen großangelegten Austausch gegangen und haben Mitarbeiter gefragt und brainstormen lassen, was sie als Lernunterstützung benötigen. Sie wollen sowohl schnell neues Wissen anwenden, als auch langfristig Kompetenzen aufbauen, die für die Zukunft relevant sind. Sie möchten viele Dinge auf einmal (wie Kompetenzen zur digitalen Transformation, zur Selbstorganisation, zur Resilienz, zu Change Management, zu Präsentationsfähigkeiten, oder Wissen wie man voneinander lernt, wie man Wissen sofort findet, oder wie man Arbeiten und Lernen verbindet).

Es scheint, daß traditionelle Weiterbildungen (z.B. Seminare zu denen man vom Chef geschickt wird), allein nicht mehr ausreichen. Auch stoßen Formate, wie Sprints unter Anleitung eines externen Coaches, an ihre Grenzen, da sie im Projektteam vielleicht zu lokal und isoliert im Verhältnis zur Gesamtorganisation ablaufen. Auch sind die vielen Konferenzen eine willkommene Möglichkeit Inspiration von anderen einzufangen. 

Neue Konzepte und Angebote sind sehr sinnvoll und sollten daher situativ eingeführt werden. Jedoch sollte man auch schauen, was bei Unternehmen passiert ist, die es geschafft haben, alte Muster zu durchbrechen. Es gab hierfür, wie z.B. bei Vaude,  einen hohen Grad der Introspektive, jedoch ist über die Zeit vor allen Dingen eine neue Kommunikationskultur erwachsen. Die Kultur ist gekennzeichnet von erhöhter emotionaler Intelligenz bei den Mitarbeitern und Führungskräften. Es ist in Ordnung, daß kreative Reibung von Ideen entsteht und man auch “Störgefühle” anspricht, wenn sie auftreten [2].

Derartige Organisationen erleben sich selbst als “maturierter”. Sie eröffnen sich mehr Handlungsoptionen und wissen, das Strukturen und Führungsmodelle anzupassen sind, um die Schaffung von Kundennutzen langfristig zu ermöglichen.

Das ist alles recht viel auf einmal, wenn Sie die oben genannten Punkte großflächig in ein Unternehmen tragen wollen. Daher lohnt sich für Sie der Blick darauf, wie Menschen lernen.

Das beste Beispiel geben Kinder ab. Kinder haben am Anfang ein paar Anlagen, müssen von der Motorik über Sprache, zu sozialem Verhalten vieles lernen. Das ist eine wunderbare Lernreise, die man als Elternteil begleiten darf. Sie als Elternteil spielen aber auch eine wichtige Rolle dabei. Sie geben den Rahmen, schaffen Möglichkeiten und erzählen von Ihren eigenen Erfahrungen.

Kinder versuchen Größeren nachzueifern. Sie versuchen es einfach. Wenn es nicht klappt, dann stehen sie wieder auf und versuchen es noch einmal. Falls sie noch zu jung sein sollten, dann versuchen sie es meist ein paar Tage später noch einmal.

Kinder lernen durch eigene Erlebnisse und Beobachtungen

Kinder lernen durch eigene Erlebnisse und Beobachtungen. Eltern tun gut daran, die Kinder für Ihren Versuch und den Fortschritt zu loben, anstatt ausschließlich das Ergebnis hervorzuheben. Neugierde und Lust auf das Ausprobieren neuer Dinge wird so verstärkt. Das sind viele kleine Herausforderungen gepaart mit Fürsorge durch die Eltern. Kim Scott legt genau diese Kombination Führungskräften ans Herz [3].

Aber was motiviert Kinder, etwas neues auszuprobieren? Sie wollen gern das können und machen, was die Großen tun. Vielleicht ist auch Ihr Kind wütend geworden, daß es beim Fahrradfahren noch nicht so gut klappt, wie beim großen Bruder.

Kinder sind süchtig nach Geschichten

Kinder sind aber auch süchtig nach Geschichten. Aus guten Gründen. Welches Kind möchte abends nicht vorgelesen bekommen? Sie lernen mit Geschichten die Welt kennen. Sie erfassen mit Geschichten auch abstrakte Dinge wie Werte. Mit Geschichten wurden und werden Erfahrungen und Wissen weitergegeben. Die Identifikation mit den Helden erzeugt neuen Mut, die Welt zu erobern. Geschichten verbinden. Wenn Sie als Elternteil die Geschichte nicht mögen, werden Sie sie sie dem Kind nicht ständig vorlesen. Andere Geschichten werden Evergreens und müssen regelmäßig vorgelesen werden.

Kinder werden über die Zeit selbstständiger

Sie als Elternteil werden mit den Jahren von den Kindern (von Ausnahmen abgesehen) immer weniger gebraucht. Das ist ein Zeichen, daß sie groß und selbstständig geworden sind. Das Gleiche ist auch in Organisationen wünschenswert, wenn die Kollegen die gewünschten neuen Fähigkeiten und Kompetenzen erlernt haben und sie allein agieren können.

Was heißt es für Ihre Organisation?

Um Up- oder Reskilling bei Mitarbeitern oder sich selbst zu verstärken, schauen Sie, wie das Lernen bei Menschen auf natürliche Weise funktioniert. Das Ausprobieren von Neuem oder das Lernen von Kompetenzen ist der Beginn einer Reise. Von der Reise gilt es zu berichten, so daß auch andere motiviert werden, eine Reise zu starten oder von Ihren Erfahrungen zu profitieren.

Nutzen Sie Möglichkeiten zum Storytelling

Storytelling ist der Klebstoff, der die Menschen auch in ihrer Organisation verbindet. Wenn Menschen anfangen, über die eigene Lernreise, die Herausforderungen und Erfahrungen zu sprechen, färbt es auf die anderen Kollegen in der Organisation ab. Tut man dies eine Zeit lang, formt sich automatisch ein neues Selbstbild für die Mitarbeiter aber auch die Organisation. Es schafft eine neue Identität als lernende starke Organisation, die auch geschaffen ist, neue Herausforderungen zu meistern. Daneben werden mit Storytelling authentische Führung trainiert, wie sie Bill George empfiehlt  (Erforschen der eigenen Lebensgeschichte und ihrer Wendepunkte, Reflexion und introspektive Praktiken, Suchen von ehrlichem Feedback von Freunden und Kollegen, Verständnis für den eigenen Führungszweck, Zuschneiden des eigenen Stils auf das Publikum) [4]. Natürlich macht man sich etwas verwundbar, weil man sich mit seiner Persönlichkeit von einer neuen Seite zeigt. Jedoch wird sowas als mutig und attraktiv wahrgenommen. Genau das, was sie in Ihrer Organisation sehen wollen.

Wie Sie Storytelling verstärken können

  • Nutzen Sie bestehende Möglichkeiten, ob Townhall oder andere Meetings, Briefe, Präsentationen, Videos, Kundentermine, Mitarbeitergespräche oder Intranetbeiträge; bauen Sie kleine Geschichten ein, fragen Sie nach den “Reisen” des Publikums. Hören Sie aktiv zu!
  • Laden Sie Kunden, andere Interessenvertreter, oder branchenfremde Vertreter ein, um Ihre Erlebnisse mit Ihnen zu teilen, z.B. in Interviews, Paneldiskussionen
  • Gründen Sie einen Storyclub, bei dem Freiwillige die Techniken erarbeiten und trainieren, aber auch an Beispielen anschaulich machen. Gute Einstiegsthemen sind: Geschichten aus der Zukunft (wie ist das Leben nach Abschluss des großen Projektes oder in 5 Jahren in unserer Organisation), Geschichten zu “was sonst noch wahr ist” (relevante Geschichten von außerhalb des üblichen Radars wie neue Trends, neue Kundengruppen), Geschichten wie Kunden Ihre Produkte oder Services erleben und Fantasiegeschichten über die Disruption des eigenen Geschäftsmodells oder Geschichten die neue Möglichkeiten aufzeigen. Berichten Sie regelmäßig aus dem Storyclub im Intranet oder sozialen Medien.

[1] neues Lernen bei Audi und Innogy

[2] Interview mit Antje von Dewitz

[3] Kim Scott, Radical Candor: How to Be a Kickass Boss Without Losing Your Humanity

[4] Bill George, https://www.billgeorge.org/articles/hbs-the-truth-about-authentic-leaders/

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