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KI und Menschen

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Künstliche Intelligenz (KI) ist etwas, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Es ist ein aktuelles Top-Thema in den Medien, auf Konferenzen und anderen Veranstaltungen. Viele größere Unternehmen versuchen mit KI unterschiedliche Prozesse effizienter zu gestalten. Das Automatisierungspotential ist enorm. Denken Sie nur an die vielen manuellen Aktivitäten in Ihrer Organisation.

Es gibt jedoch oft zwei Herausforderungen grundsätzlicher Art. In vielen Fällen ist die KI sehr spezifisch für die Anwendung. Sie gibt wenig Raum für eine einfache Skalierung durch Übertragung auf andere Anwendungen. Dies liegt daran, dass jede KI Lösung mit Daten spezifisch für die Domäne trainiert wird. Die Lösung gilt also nur für den spezifischen Kontext der Anwendung.

Eine zweite Herausforderung zeigt sich in der menschlichen Reaktion auf die neuen Roboterkollegen. Zum einen müssen die Menschen für jeden Anwendungsfall Vertrauen in die Entscheidungsfähigkeit der Roboterkollegen aufbauen. Zum anderen zeigen sich politische und ethische Fragen, wie Dr. Draeger (Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung) auf dem jüngsten Handelsblatt AI Summit zeigte. Diese Fragen können die Algorithmen allein nicht bewältigen.

Aber auch im Kleinen kann es zu Irritationen kommen. Was ist, wenn die KI keine Handlungen ausführen darf, sondern Ihnen nur unterstützende Handlungsempfehlungen gibt? In einer solchen Situation werden Sie die Handlungsempfehlung gegen Ihr Bauchgefühl und ihre Erfahrungen prüfen. Was ist, wenn sich Bauchgefühl und Handlungsempfehlung widersprechen? Was werden Sie dann tun?

Die Handlungsempfehlung der KI basiert auf Daten, die zur Verarbeitung und Entscheidungsvorbereitung verfügbar sind. In den meisten alltäglichen Fällen reicht das für eine kleine Entscheidung aus. Verfügbare Daten, unabhängig davon, wie umfangreich oder aktuell sie sind, sind jedoch Daten aus der Vergangenheit. Höchstwahrscheinlich ist die KI auch so ausgelegt, dass sie mit den betriebswirtschaftlichen Grundsätzen übereinstimmt. Aber was ist, wenn Sie eine Entscheidung mit größeren Konsequenzen für die Zukunft treffen müssen?

Können Sie Ihrem Roboterkollegen vertrauen? Und, wenn Sie sich anders entscheiden? Wie werden die menschlichen Kollegen Ihre Entscheidung sehen? Fühlen Sie sich wertgeschätzt, wenn Sie immer dem Vorschlag des Roboterkollegen folgen?

Wie Martin L. Roger bereits Anfang des Jahres betont hat, ist es sinnvoll, wenn Sie betriebswirtschaftliche Kennzahlen mit qualitativen Fakten ergänzen, um bessere Entscheidungen zu treffen [1]. Dies gilt besonders in Situationen, in denen wir die Zukunft wirklich gestalten und Wirkung zeigen wollen. Quantitative Daten spiegeln bestenfalls die Vergangenheit wider.

Eine weitere nützliche Überlegung kommt aus der Hirnforschung. Friederike Fabritius betont die Möglichkeit, in Entscheidungssituationen dem Bauchgefühl zu folgen [2]. Das Bauchgefühl ist mit vielen Erfahrungen und Lerneffekten angereichert und in der Lage in komplexen Situationen schnell und gut zu entscheiden.

Das bedeutet, dass jeder, der mit automatisierten Handlungsempfehlungen konfrontiert wird, mutig sein sollte, was er oder sie in dieser Situation für richtig hält, auch wenn die Entscheidung gegen die KI Empfehlung ausfällt. Nur so können Sie und Ihre Mitarbeiter lernen. Sie werden sich bestätigt und nicht der eigenen Bedeutung beraubt fühlen. Sie werden das Vertrauen in die eigene Entscheidungsfähigkeit stärken. Dazu ist es sinnvoll, die Entscheidungen kurz zu dokumentieren. Organisationen implementieren dies möglicherweise in einer Richtlinie. Sehen Sie es als einen grundsätzlichen Akt der Menschlichkeit, den Menschen die Lern- und Entwicklungschancen in derartigen Situationen zu lassen.

[1] Webcast by Strategyzer: https://blog.strategyzer.com/posts/2019/1/17/stratchat-replay-roger-martin-on-making-better-decisions-in-todays-business-world

[2] Friederike Fabritius and Hans W. Hagemann, The leading Brain, Tarcher Perigee, 2018

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