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7 Schritte zum “Recht auf Sieg”

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Vielleicht kennen Sie die Situation: In großer Runde werden verschiedene strategische Ideen oder Initiativen zur Entscheidungsfindung vorgestellt. Alle Ideen wurden über einen langen Zeitraum diskutiert und erarbeitet. Sie klingen alle gut. Sie sind mit vielen Informationen, Zahlen und Fakten unterfüttert. Vielleicht waren die Ideengeber vorab beim Verkaufstraining und haben auch Emotionen der Beteiligten erfolgreich geweckt. Auch gab es vorab genügend Lobbyarbeit, um die Chancen für die eine oder andere Idee zu erhöhen. Im Raum herrscht eine positive Anspannung und Vorfreude auf ein neues Abenteuer. Doch einer im Raum lässt sich von all dem nicht beeindrucken. Er fragt: Bei all den schönen Möglichkeiten, was ist unser „Recht auf Sieg“?

Im Raum wird es ruhig, denn die Frage kommt vom Geschäftsführer. Die Beteiligten versuchen eine Antwort zu formulieren. Und woran erkennt man eigentlich ein „Recht auf Sieg“? Was versteht der Geschäftsführer unter dem Begriff? Gibt es überhaupt so etwas wie ein „Recht auf Sieg“, sozusagen einen garantierten Erfolg?

Mit dem Stellen der Frage auf „Recht auf Sieg“ wird zumindest die Hürde für die Qualität der vorgeschlagenen strategischen Initiativen angehoben. Niemand wird mehr Vorschläge machen, ohne ein Begründung für das „Recht auf Sieg“ parat zu haben.

Um die Diskussionen zu erleichtern und eine größere Klarheit in die Situation zu bringen, nutzen Sie ab sofort die Leinwand!

Das Recht auf Sieg ist die Fähigkeit einer Organisation sich langfristig in einem Markt mit überdurchschnittlich guten Chancen zu engagieren. Zumindest sollten die Chancen größer sein, als die des Wettbewerbs. Das „Recht auf Sieg“ fällt einem nicht in den Schoß, es muss verdient werden. Es hängt von der Startposition, der Marktstrategie, den eigenen Fähigkeiten und der Ausrichtung des Portfolios ab. Ash Maurya nannte es in der lean canvas (schlanken Leinwand) den unfairen Vorteil, ein Puzzleteil, welches für den Erfolg notwendig ist und nicht von anderen kopiert oder zugekauft werden kann. Es ist eine überdurchschnittliche Chance auf Erfolg und zwar konsistent über die Zeit gesehen.

Es gibt viele Theorien für eine optimierte Strategie, wie z.B. Fokus auf Kernkompetenzen bzw. -geschäft, Adaption, oder Lernen der Organisation, operative Exzellenz, oder differenzierte Positionierung. Wie es oft so ist, funktionieren Theorien in der Praxis nicht immer und überall. Daher erfordert die Frage nach dem „Recht auf Sieg“ eine eigene und an die Situation angepasste Antwort.

Die Antwort auf ein gutes „Recht auf Sieg” findet man, in dem man etwas zurücktritt und die Identität der Organisation, die existierenden und benötigten Fähigkeiten und Stärken betrachtet und die passenden Entscheidungen über die Ausrichtungen trifft. Es erfordert, dass man von einem angestrebten zukünftigen Zustand rückwärts denkt und gleichzeitig die benötigten Fähigkeiten und das erforderliche Wissen vom derzeitigen Zustand in die Zukunft projiziert. Das „Recht auf Sieg” ist letztlich eine Liste von Dingen, die man in eine neue Idee einbringt und welche eine eine gute Startposition bzw. Grundausstattung verschafft.

Leinwand für das “Recht auf Sieg”

Folgende sieben Schritte beschreiben die Vorgehensweise für die Diskussion. Nutzen Sie die Leinwand und ein paar Klebezettel.

Schritt 1: Strategische Idee

Fassen Sie die Idee in max. 30 Worten zusammen: Für wen soll die Idee funktionieren (Zielsegment)? Was werden Sie für das Zielsegment tun? Wie werden Sie im Wettbewerb agieren?

Schritt 2: Annahmen

Erfassen Sie Punkte, die eintreffen oder zutreffen müssen, damit die Idee erfolgreich umgesetzt wird. Was sind die Grundannahmen der Geschäftslogik? Was setzen Sie für die erfolgreiche Umsetzung der Idee voraus?

Schritt 3: Mögliche externe Zukunftsszenarien

Unabhängig von der Idee, welche externen Einflüsse können auf die Organisation zurückwirken? Was könnte alles passieren: Markteinflüsse, Zölle, neue Technologien, Wegfall von wichtigen Stammkunden, plötzlicher Anstieg der Nachfrage. Werden Sie kreativ! Identifizieren Sie die Einflüsse, die am wahrscheinlichsten und am signifikantesten sind. Ihre Idee sollte mit den möglichen externen Einflüssen klar kommen.

Schritt 4: Grundausstattung

Listen Sie alle für die Idee relevanten Stärken auf, über die die Organisation verfügt: Fähigkeiten, Marktzugang und Kundenbeziehungen, Anlagen, proprietäres Wissen, Marke, Kundendaten, geografische Aufstellung, Wertschöpfungskette…

Schritt 5: Lücke

Überlegen Sie sich, wie es ist, wenn Ihre Idee in der Zukunft funktioniert. Welche neuen Stärken haben Sie aufgebaut und für die Umsetzung der Idee genutzt? Was waren die neuen Erfolgshebel?

Wie können Sie die Fähigkeiten erlangen, durch neue Mitarbeiter, durch Zukauf, Partnerschaften?

Die beiden letzten Schritte dienen der Überprüfung der Idee. Sie bestehen aus Fragen und der Visualisierung möglicher Züge des Wettbewerbs.

Schritt 6: Plausibilität

Stellen Sie sich ein paar Fragen, ob die Idee in Ihrer Organisation funktionieren kann. Beispielsweise: Passt die Idee zur Identität, zur Marke? Stärkt sie einen ökonomischen Treiber? Wird sie auch bei ungünstigen externen Entwicklung Bestand haben? Werden nur wenige neue Fähigkeiten benötigt? Wird die Idee eine Neuausrichtung des Geschäftsportfolios bewirken und viele Mitarbeiter oder finanzielle Mittel auf die neue Idee lenken? Wird trotz eines hohen Engagements für die Idee genug Raum für flexible Anpassungen bleiben?

Schritt 7: Wettbewerb

In letztenSchritt prüfen Sie die möglichen Schachzüge des Wettbewerbs. Was sind die Optionen des Wettbewerbs, die Marktchancen zu nutzen? Wie leicht könnte der Wettbewerb Ihre Idee kopieren? Wie kann der Wettbewerb Ihre Idee zerstören? Was sind die Schwachstellen in Ihrer Idee?

Nach dem Durchlaufen der sieben Schritte werden Sie ein gutes Abbild des „Rechts auf Sieg“ für Ihre Idee haben. Sie wissen, worauf Sie aufbauen werden und warum Sie, mit der Idee am Markt bestehen können. Sie kennen die Lücken, die Sie schließen werden. Zusätzlich wissen Sie, wie sich die Idee auch unter verschiedenen externen Einflüssen behaupten kann.

Ausblick

Das „Recht auf Sieg” ist eine kurze Übung, um ein besseres Verständnis für die Erfolgschancen von Ideen zu entwickeln. Nach der reinen Auswahl der Idee, beispielsweise mit den 5 Elementen und der Leinwand der Ideenbewertung hilft das „Recht auf Sieg“ einen weiteren Schritt in Richtung der erfolgreichen Umsetzung zu gehen.

Die Diskussion sollte jedoch nicht die Umsetzung behindern. Lerneffekte sind in transformativen Ideen sehr wahrscheinlich. Lernen und vorwärts zu iterieren ist wichtiger als den Status Quo zu schützen. Stellen Sie sich einen Profi-Tennisspieler vor, der nur spielt, wenn er absolut sicher über sein „Recht auf Sieg“ ist. Er wird niemals spielen. Also starten Sie bald!

Wenn Sie mehr über das „Recht auf Sieg“ erfahren möchten, nehmen Sie Kontakt auf und melden sich beim Newsletter an!

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